Besichtigung Brauerei Stadtwächter in der Telli
«Ein Bier in Ehren kann niemand verwehren» ist wohl ein allseits bekannter Spruch, der vielfach an Stammtischen angewendet wird, um nochmals eine Runde zu erwägen. Die Mitglieder der illustren Schar, die sich am 19. März an der Weihermattstrasse 80 in der Aarauer Telli versammelte, gehören wahrscheinlich weniger zu den eingangs erwähnten Stammgästen. Trotzdem ist das Interesse an Bier bei den rund dreissig gut gelaunten Teilnehmer*innen nicht wegzuleugnen. Wenn man denselben Menschen irgendwo auf der Strasse begegnete, würde man dies kaum vermuten. Für den Schreiber überraschend war der hohe Anteil weiblicher Besucher, was dem Anlass natürlich eine andere, angenehme Färbung gab.
Freundlich und auf Aarauer Deutsch wurden wir von den beiden Mitarbeitern und Mitbegründern der Brauerei Stadtwächter, Gregor Boner und Alois Debrunner, begrüsst.
Von der Idee zur Brauerei
Gregor startete mit einer Tour d’horizon, wie es überhaupt dazu kam, ein Bier selbst herzustellen – und vor allem sollte es ein Aarauer Bier sein. Zuerst wurde die Idee verständlicherweise bei einem oder «vielleicht zwei» Bieren geboren. Wissen, Finanzen, Liegenschaft und «Wer macht was?» sind die unternehmerisch wichtigen Belange, die den Macher*innen erst nach und nach bewusst wurden.
Nach diversen schlaflosen Nächten wurde schliesslich 2018 die Brauerei Aarau AG gegründet; ebenfalls in diesem Jahr wurden mit einem sogenannten Crowdfunding-Aufruf über Erwarten 84’000 Franken gespendet, dies durch 541 Sympathisant*innen. Im September 2020 wurde das Projekt «Stadtwächter» ins Leben gerufen und 2021 am heutigen Standort die technischen Voraussetzungen und das Marketing geschaffen, die Biere zu produzieren, zu lagern und zu verkaufen.
Die ersten Biere wurden in der damaligen Glockengiesserei Rüetschi in Aarau gebraut. Sie erhielten klingende Namen aus der Aarauer Geschichte wie Konrad, Dagmar und Arthur. Zu diesen gesellten sich später noch Irma, Veronika und Harald.
Das erfolgreiche Gebräu
Viele Leser*innen wissen bestimmt, woraus Bier hergestellt wird: Wasser, Malz, Hopfen und Hefe. Alois Debrunner informierte, bestens bewandert, über die verschiedenen Herstellungsmethoden und abwechslungsreichen Aromen der Biere. Bekanntlich ist das Wasser und dessen Qualität eine der wichtigsten Grundlagen, um ein Bier mit hohem Reinheitsgrad herzustellen. In Aarau scheint dieses Wasser vorhanden zu sein.
Das Angebot der Stadtwächterbiere findet man noch nicht an vielen Orten; so sind diese hauptsächlich an Events wie Maienzug, MAG usw. zu finden. Aber auch in der Schwanbar ist es anzutreffen. Die allgemeine Gastronomie hat bisher noch nicht so recht angebissen, was wahrscheinlich auch daran liegt, dass die Stadtwächterbiere über dem Preissegment der Massenbiere liegen.
Das Marketing versucht diesem Umstand etwas entgegenzuwirken, indem im Brauhaus selbst Anlässe stattfinden. So kann man dort z. B. jeweils am Donnerstagabend von 17 bis 21 Uhr auf Festbänken und von der erhöhten Empore aus die Maschinen und Geräusche von oben betrachten und hören – und dabei ein Feierabendbier geniessen. Die Biere können auch über den Rampenverkauf am gleichen Abend oder samstags von 9 bis 16 Uhr gekauft werden.
Es ist den fleissigen und sympathischen Unternehmer*innen gegönnt, dass ihre Produkte weiterhin auf steigendes Interesse stossen. Der Rundgang mit anschliessendem Apéro hat auf jeden Fall grossen Anklang gefunden und jede und jeder hat ein passendes Bieraroma gefunden.
Wir danken den beiden Präsentatoren für ihre informativen Ausführungen und wünschen weiterhin Prost!
Publiziert in der Tellipost 519 Mai2026
Text: Ernst Schaer
Fotos: Verschiedene




