Das Rüscheli hat ausgerauscht!

Die Natur verändert sich auch in der Telli laufend. Aufmerksame Beobachter sehen Tiere oder Pflanzen, die vorher noch nicht da waren. Sie können Vorboten einer anhaltenden Entwicklung mit noch unbekannten Auswirkungen oder eine vorübergehende Veränderung sein. Auslöser dieser Veränderungen können eine Folge von Eingriffen zugunsten der Natur sein oder völlig im Dunkeln liegen. Auch im letzten Jahr zeigten einige Beispiele interessante Veränderungen, die es lohnen, sie weiter zu beobachten.

Das Rüscheli bei der Brötlistelle am Freykanal rauscht nicht mehr, es wurde eingestaut. Erstmalig versucht ein Biber, mit einem Damm den Freykanal zu stauen. Ob er ein beständiges Bauwerk erstellen kann, ist noch unklar. Zumindest hat sich der Gewässercharakter im oben liegenden Teil verändert. Dies wird auch Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenvorkommen haben. Ein anderes Beispiel ist der Besuch von drei Bekassinen an der Aare. Sie konnten vom Philosophenweg aus am gegenüberliegenden Ufer der Aare beobachtet werden. Dieser Uferbereich wurde im Zusammenhang mit dem Neubau des Kraftwerkes umgestaltet. Ein Sandstreifen mit Schilf ist entstanden und dieser Lebensraum scheint attraktiv für diese Vögel zu sein. Es wird sich um Wintergäste gehandelt haben, sie könnten jedoch auch Vorboten für weitere Veränderungen bei den Vogelvorkommen darstellen.

Neu sind auch Vorkommen von Igel und Rohrkolben (Kanonenputzer) am Freykanal. Sie besiedeln besonnte Uferpartien. Diese Bedingungen sind am Freykanal nicht selbstverständlich. Ohne Eingriffe wäre dieses Gewässer durch Waldbäume beschattet. Licht kommt erst zum Wasser, wenn Bäume umstürzen, gefällt oder vom Biber als Nahrungsquelle genutzt werden. Damit mehr Licht zum Wasser gelangen kann, werden periodisch Teile der Uferbestockung zwischen dem „Rüscheli“ und „Moosbrüggli“ entfernt. So eine Aktion wird dieses Jahr wieder durchgeführt. Damit sollen vielfältigere Tier- und Pflanzenvorkommen am und im Wasser begünstigt werden. Veränderungen in diesem Sinne werden jedoch nur langsam erfolgen. Geduld ist beim Beobachten gefragt.

Viel Geduld war auch bei einem anderen Thema erforderlich. Vor Jahren mussten alte Linden im Telliring gefällt werden. Damit die Fledermäuse, die in diesen Bäumen ihre Wohnungen hatten, eine Alternative bekommen, sind unter anderem am Turnerhäuschen mehrere Fledermauskästen angebracht worden. Leider blieben sie eine lange Zeit unbenutzt, bis endlich in diesem Winter zwei Tiere das Angebot nutzten. Wir hoffen, dass es sich nun bei den Fledermäusen herumspricht, dass da noch Platz für viele weitere Tiere wäre. Eine indirekte Beobachtung ist hier leicht möglich – Kotspuren unter den Kästen lassen auf eine Nutzung schliessen.


Publiziert in der Tellipost 518 Februar 2026
Text: Peter Jean-Richard
Fotos: Peter Jean-Richard / Wikipedia