Ein Weltkonditor in der Telli

Es riecht verführerisch gut an diesem Samstagmorgen, als sich eine kleine Gruppe in der La Patisserie David Schmid in der Telli versammelt, um einen Einblick in die Kreation von Macarons zu erhalten. Haben Sie gewusst, dass mitten im Telli-Industriequartier in einer umgebauten Garage Patisserie und andere Leckereien von höchster Qualität produziert und verkauft werden? Das Start-up ist seit November 2024 in der Telli zu Hause. Die Manufaktur hat eine lange Geschichte. In eine Konditoren-Familie hineingeboren, war David Schmid die Kunst als Patissier sozusagen in die Wiege gelegt. Und er hatte Erfolg. Mehrere Preise krönen sein Wirken. So wurde er etwa 2021 Weltkonditor.

Wie kommt so jemand gerade in die Telli? David Schmid erzählt: Nach einigen Jahren im elterlichen Betrieb baute er zusammen mit seiner Frau Nicole in Zofingen eine grössere Konditorei und ein Café auf. Zeitweise hatten sie bis zu 21 Angestellte. Der Betrieb lief gut. Die Frage der Expansion drängte sich auf: Sollten Filialen eröffnet werden, sollte der Betrieb weiter wachsen, weil sie so erfolgreich waren?

Das Paar entschied sich, einen neuen Weg zu gehen: Nicht grösser, sondern kleiner wollten sie werden! Man wollte seiner Philosophie treu bleiben: Frische Produkte, Qualität, nicht Quantität ist ihre Devise. Sie hätten auch in der Stadt eine kleine Konditorei eröffnen können, aber sie wählten die Garage in der Telli bewusst. «Es geht um das Handwerk des Konditors, um die Kreation von besonderen Produkten, die mit viel Liebe zum Detail in unserer Manufaktur hergestellt werden und durch ihre Qualität, Kreativität und handwerkliche Präzision begeistern», so David Schmid.

Wer mit einem konkreten Wunsch einfach mal so vorbeischaut, muss flexibel sein. Nicht jeden Tag ist das Sortiment gleich, gegen Abend sind die Leckereien oft schon ausverkauft. David Schmid und seine Frau haben ein spezielles Konzept. Es geht um das Erleben, ums Geniessen und höchste Qualität. Pro Woche gibt es jeweils eine Sorte Macarons, saisonal und frisch. Auch Croissants sind mehr als ein Gipfeli, denn die Produktion ist aufwändig. Ein Puzzle von mehreren Arbeitsschritten über 2 bis 3 Tage ist nötig, um die Köstlichkeiten herzustellen. Der Weltkonditor will einzigartig, nicht vergleichbar sein. Bei aller Exklusivität ist es aber ein sympathischer Ort in der Telli, wo man einen feinen Kaffee trinken kann und sich gegebenenfalls mit einer feinen Patisserie selbst verwöhnt.

Ich verstehe, dass die Qualität ihren Preis hat. Es sind keine Gipfeli, welche ich im Stehen schnell in mich hinein stopfe, es sind keine Patisserien, die ich einfach mal so auf Vorrat kaufe und in den Kühlschrank stelle. Die Produkte von David Schmid führen mir vor Augen, wie viel Arbeit eigentlich in der Herstellung unserer Nahrung steckt, wie kostbar die Früchte der Natur sind, wenn man der Pflanze so viel Zeit lässt, wie sie benötigt, um ihre Früchte hervorzubringen. Es ist wie eine Gegenbewegung zu Massenproduktion und Fast Food.

Das Start-up ist im Moment noch in einer kreativen Phase. Man probiert aus, was am neuen Standort machbar ist, was realistisch ist für einen kleinen Familienbetrieb, denn die Lebensqualität der Menschen, die dort arbeiten, ist ebenso wichtig wie die Qualität der Rohstoffe und der Verarbeitung. Nachhaltigkeit im Kleinen eben. Wer die Kunst der Herstellung von Patisserie selber erlernen will, kann das in Ansätzen tun. So habe auch ich mich mit einer kleinen Gruppe für einen Workshop angemeldet. Wir lernten Schritt für Schritt die Produktion der Macarons kennen. Es war nicht einfach, uns allen fehlte die Übung. Aber es war spannend, hinter die Kulissen zu blicken und sich auf die Entschleunigung in der Produktion einzulassen. So haben wir an diesem Samstagvormittag nicht nur etwas über die Herstellung von Macarons gelernt, sondern auch den Unterschied zwischen Luxemburgerli und Macarons erfahren. Ich spürte eine hohe Wertschätzung für die Zutaten und die Herstellung der Süssigkeiten. Auch das Naschen machte Spass! Wahrlich eine Oase des Genusses – und das mitten im Industriequartier der Telli.


Publiziert in der Tellipost Nr. 517 November 2025
Text: Jeanine Kosch
Fotos: zvg