Flashback Telli

Zum 50-Jahr-Jubiläum von Quartierverein Telli und Gemeinschaftszentrum Telli hat Quartiervereinspräsident Hansueli Trüb eine spannende Fotoausstellung «Flashback Telli» auf die Beine gestellt:

Die moderne Stadtsiedlung

Ein urbaner Stadtteil, 2022

Foto: Hydro-Service Schweiz GmbH, Wohlen

Heute präsentiert sich das Telliquartier als der grösste Stadtteil Aaraus und ein dicht bebautes Gebiet mit rund 4‘500 Einwohner*innen. Dennoch verfügt es über einen beachtlichen Teil unbebaute – und geschützte! – Fläche (Auenwald), ist durch Aare und Suhre begrenzt, verfügt über die gesamte Infrastruktur eines modernen Stadtteils und das höchste Gebäude des Kantons. Die Entwicklung bleibt aber nicht stehen. So sind derzeit die Sanierung der Tellistrasse, der Neubau eines Oberstufenzentrums, die Entwicklung des Gebiets Telli Ost die grössten Baustellen, die die nächsten Jahre prägen werden.


Die letzte Wohnzeile entsteht, 1988

Foto: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv

1987 wurde mit dem Bau der letzten Wohnzeile D an der Neuenburgerstrasse begonnen. Auf dem Bild ist bereits der neu angelegte Delfterkreisel sowie das kantonale Polizeigebäude erkennbar. Beim zukünftigen Werkhof (1993) liegt noch ein leeres Feld. Im Vordergrund ist die nach Westen verlängerte Kunath-Villa (Saffa-Haus) zu sehen.


Aufbruch in ein neues Tellizeitalter, 1975

Foto: Werner Laubi

Der Aufbruch in ein neues Zeitalter kann kaum besser als auf dieser Foto von 1975 dargestellt werden. Die ganze Familie macht sich herausgeputzt auf den Sonntagsspaziergang. Im Hintergrund die Wohnzeile Delfterstrasse im Bau, ganz links angeschnitten die fertige Rütmattstrasse. Am rechten Bildrand die Ecke des noch nicht vergrösserten Einkaufszentrums – samt Firmenschild der Gartenbaufirma an der eben fertiggestellten Aussengestaltung. Und dazwischen die alte Färberei Jenny, die noch bis 1982 stehen bleiben wird.


Altes muss weichen, 1983

Fotostill aus „Abbruch Liegenschaft Jenny“

Im Winter 1980 begann der Abbruch der Gebäude auf dem ehemaligen Jenny-Areal. Es verschwanden die Villa, die Fabrikgebäude, der Turm mit der Hochdruck-Dampfanlage und die selbstgebaute Badi, von der Ernst Jenny in den Telli-Geschichten des Stadtmuseums Aarau erzählt. Das Bad war im Sommer und im Winter geöffnet und wurde rege benutzt, weil das von der Elfa AG bezogene Kühlwasser durchwegs 25 Grad warm war.

„An einem heiteren Frühjahrstag im Jahr 1983 erlebten viele Neugierige die Sprengung des Kamins und später auch das Verschwinden der anderen Fabrik- und Wohngebäude.  Bevorzugte Standorte für uns Zuschauer waren die Balkone der Wohnungen nahe dem Sprengort. Der Sprengmeister hupte. Und gleichzeitig mit der Detonation verhüllte eine mächtige Staubwolke den Ort des Geschehens. Als sie sich allmählich verzog, war einer der letzten Zeugen der alten Industrie in der Telli gebodigt.“1


Das grösste Wasserrad der Telli, 1982

Foto: Tellipost 2014, zvg

„1973 schrieb die damalige Horta AG einen Wettbewerb zur Gestaltung des Platzes östlich des Gemeinschaftszentrums Telli («Telliplatz») aus. Von den 15 eingereichten Projekten wurde dem Wasserrad der Architekten Hildebrand und Haas der erste Preis verliehen. Es handelte sich um ein unterschlächtiges Rad mit einem Durchmesser von 9,5 Metern und 42 Schaufeln… Doch der Unterhalt des Rades war kostspielig. Wer Ende der siebziger Jahre in seiner Nähe wohnte, erinnert sich, dass das Kunstwerk immer öfter knarrte und quietschte, so dass es stillgelegt und 1993 abgerissen wurde.“1


Die Rütmatt auf der Reut-Matten, 1974

Foto: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv

Der Begriff Rütmatt taucht schon in einer Urkunde von 1536 auf und bezeichnete eine gerodete Wiese. Wie ein Fremdkörper steht die erste Wohnzeile auf der grünen Wiese zwischen Auenwald und alter Färberei.  Aber sie ist der erste Teil einer städtebaulichen Vision, die das landwirtschaftliche Land zu einem Stadtquartier machen wird.  Das Besondere daran ist, dass der Eindruck einer Siedlung auf der grünen Wiese entsteht, weil die gesamte Verkehrs- und Parkanlage unterirdisch angelegt wurde. So sollten neben Wohnbauten für 4500 Einwohner*innen ein Schulhaus, Kindergärten, eine Kinderkrippe, eine Freizeitanlage mit Räumen für Versammlungen und Büros sowie eine Zentrums-Überbauung mit diversen Einkaufs- und Verpflegungsmöglichkeiten eingeplant werden. Zudem war vorgesehen, dass die Kinderspielplätze in Sichtbeziehung zu den Wohnungen angeordnet, der Fahrverkehr klar von den Fussgängerwegen getrennt und die Parkplätze in überdeckten Sammelgaragen konzipiert werden sollten.2                         
Im Hintergrund links ist die Sheddachhalle der Chocoladenfabrik Frey sichtbar, davor die Bündten, vorne links die Färberei Jenny mit dem hohen Kamin. Die Aufnahme entstand 1974, kurz vor Baubeginn der Wohnzeile B. Der Verlauf des Sengelbachs ist als Baumreihe erkennbar, das Wasserrad auf dem Telliplatz steht auch schon, rechts davon der dazu gehörende Weiher.


Hoch hinaus! 1972

Foto: Archiv Pius Meyer

Das Telli Hochhaus im Bau 1972. Der rund 80 m hohe Gebäudekern mit den Liftschächten wurde vorgängig in nur 27 Tagen erstellt, damit danach mit einer  Gleitschalung das restliche Gebäude hochgezogen werden konnte. Blick von Westen. Im Vordergrund das Einkaufszentrum.


Kranballett, 1972

Foto: Archiv Hans Gisler

Ein Grundeigentümervertrag zwischen der Färberei Jenny, der Horta AG sowie der Einwohner- und Ortsgemeinde Aarau war die Grundlage für den Bau der Mittleren Telli. Auf Initiative der Stadt Aarau und den anderen Grundeigentümern wurde neben vielen anderen Auflagen festgelegt, dass ein Quartierverein und ein Gemeinschaftszentrum geschaffen werden.

Definitiv fertig mit der Beschaulichkeit in der Telli war es im Januar 1972, als die Bauarbeiten für die Wohnzeile A an der Rütmattstrasse nach den Plänen des Architekten und Städtebauers Hans Marti begannen. Es konnte mit dem «Musterbeispiel für eine schöne Welt von morgen» begonnen werden.  Die Horta AG, die in der Fortschrittsgläubigkeit und dem Bauboom der Sechzigerjahre innert 15 Jahren von einem einfachen Schreinereibetrieb zu einem der grössten Bauunternehmer der Schweiz gewachsen war, ging dann aber in der Folge 1976 in Konkurs.


Jennys Swimming Pool, 1970

Foto: Sammlung Stadtmuseum Aarau


Die alte Färberei Jenny verfügte seit etwa 1970 direkt an der Tellistrasse (gegenüber dem heutigen Hallenbad, erbaut 1976) über einen eigenen, grosszügigen Swimming Pool. Dort durften die Kinder der Mitarbeiter jeweils zum Baden gehen. Auf dem Sonntagmorgenidyll ist Firmenbesitzer Ernst Jenny ca. 1972 zu sehen. Im Hintergrund erkennt man bereits die Eingangspartie zum Einkaufszentrum sowie die neue Berufsschule. Der Pool blieb noch bis ca. 1986 erhalten und musste erst mit der Erweiterung des EKZ und dem Bau des Polizeigebäudes weichen.


Von faulen und glücklichen Eiern, 1968

Foto: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv

Wo heute noch das KIFF steht – das auch schon bald Vergangenheit sein wird – wurde zuvor über Jahrzehnte Futter produziert. Das war aber auch nicht immer so. Seit der vorletzten Jahrhundertwende stellte die Chemische Fabrik AG (Wyder) auf diesem Gelände Chemikalien her, ab 1912 ein Schlafmittel namens Sulfonal. Dies stank kilometerweit penetrant nach faulen Eiern. Der Stadtrat musste eingreifen und verlangte, die Abgase zu verbrennen, das Abwasser statt in den Stadtbach direkt in die Aare zu kippen und nur noch bei Westwind zu produzieren, damit der Gestank nicht Richtung Aarau ziehen konnte. Nach weiteren Verboten, Interventionen und sogar einer Unterschriftensammlung ging die Fabrik 1921 in Konkurs.9

Danach übernahm Fritz Kunath das Gelände und gründete 1926 Kunath’s Geflügelfarm und Futterfabrik. 1928 kaufte das Ehepaar Fritz und Käthe Kunath an der Schweizer Ausstellung für Frauenarbeit SAFFA in Bern das Ausstellungshaus der bekannten Architektin Lux Guyer. Sie transportierten es in die Telli und bauten es als ihr Wohnhaus wieder auf (Bildmitte links).

1937 liess KUNATH durch die Gebr. Bühler Uzwil die erste ausschliesslich für die Herstellung von Mischfutter konzipierte Fabrik der Schweiz bauen.5

Das Ehepaar Kunath hatte in der Zwischenzeit sein Wohnhaus nach Westen hin massiv vergrössert (längeres Gebäude unten rechts). 2005 wurde es schliesslich abgetragen und zwei Jahre später in Stäfa wieder neu aufgebaut, wo es heute noch als sog. SAFFA-Haus zu besichtigen ist.3

Im Vordergrund sind mit Pneu Egger bereits die ersten Spuren der beginnenden gewerblichen Ausweitung zu sehen. Links oben sind Gutshof und Färberei Jenny erkennbar, die ABAU-Siedlung und die Chocolat Frey.


Erste Hochbauten, 1964

Foto: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv

Da der überbaubare Boden in der Stadt Aarau langsam eng wurde, begann die Stadt in den Sechzigerjahren, den freien Raum ausserhalb dem engeren Stadtbereich in die Planung einzubeziehen. In der Telli bestand viel Entwicklungspotential. So wurde 1964 neben dem Telliring die neue Berufsschule als erstes höheres Gebäude mit sechs Stockwerken gebaut. Erste Wohnblöcke stehen bereits an der Maienzugstrasse. Am Bildrand rechts unten sind noch die alte Verzweigung zum Girixweg und das Rest. Telli zu erkennen.


Zeiten vor der grossen Erneuerung

Von der Chocolat zur «Schoggi», 1959

Foto: Archiv Chocolat Frey

Die Schokoladenproduktion unter der neuen Besitzerin Migros wurde ab 1950 massiv erweitert. So wurde 1959 östlich dem bisherigen Fabrikationsgebäude eine grosse, neue Shedhalle mit modernen Produktionsanlagen erstellt. Bis zu 200 Mitwirkende waren nun in der Produktion tätig. 1965 verlegte die Migros aber die gesamte Produktion nach Buchs. 1967 wurde der Betrieb in der Telli aufgegeben, die Fabrikgebäude verkauft. Das alte Spinnereigebäude wurde zu einem Wohnhaus umgebaut, die Fabrikationshalle fiel dem Abbruchhammer zum Opfer.4 – Es gab Platz fürs spätere Aaredörfli (Bau 1994).


Blick auf die Girix

Foto: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv

Sicht auf die Telli aus Nordosten. Im Vordergrund links ist das Gebiet Girix erkennbar, in dem 1966 die Kläranlage gebaut werden wird, darüber das Gebiet Neumatten, rechts davon Sengelmatten und Rütmatten.  Am Bildrand links die Färberei Jenny mit der freistehenden Villa. Die Chocoladenfabrik verfügt noch nicht über den Anbau mit dem Sheddach (vgl. Bild 12). Der Block Girixweg 17 ist im Bau. Rechts der Mitte mit dem Kamin ist das alte Kraftwerk Rüchlig mit einem Schlot der alten Cementfabrik erkennbar.


Leben in der Wohnkolonie, 1946

Foto: Sammlung Stadtmuseum Aarau

Ab ca. 1930 entstand im Gebiet westlich vom Girixweg eine Einfamilienhaussiedlung mit über 100 Häusern. Mit „Wohnkolonie in der Telli“ ist diese Ansichtskarte von 1946 überschrieben. Die Häuser, die vom Aarauer Architekten Emil Wessner entsprechend der Gartenstadt-Philosophie geplant wurden, werden als „schlüsselfertige Ausführung“ angepriesen. 1946 wurde das Gebiet an die Kanalisation und ans Trinkwassersystem angeschlossen. 1948 bis 1954 entstanden unter anderem auch die drei- bis viergeschossigen Wohnzeilen der ABAU-Genossenschaft.


Das Feierabendbier, 1924

Foto: zvg Markus Ernst, Erlinsbach

Die Wirtschaft „Zur Telli“ befand sich dort, wo heute das Einkaufszentrum steht, also zwischen der Chemischen Fabrik Frey und der Färberei Jenny. Sie wurde durch Johanna und Theo Obrist ab etwa 1894 betrieben. Ihre Kunden stammten wohl hauptsächlich aus den vier Industriebetrieben in der Umgebung, also der Chemischen, der Färberei, der Spinnerei, später Chocoladenfabrik, und der Halbleinenfabrik Guyer. Ursprünglich sollen Karl und Ida Schönmann das Restaurant geführt haben. Danach übernahm die nächste Generation mit Oski und Anni Schönmann-Obrist. Sie hatten neben dem Haus einen kleinen Zoo mit Affen, Schlangen, Vögeln etc. In den sechziger Jahren wurde das Restaurant an Richard Ammann verkauft und danach an eine Familie Meier verpachtet. Später erwarb die Stadt Aarau die Liegenschaft, die dann 1972 dem heutigen Einkaufszentrum weichen musste.

Noch 1965 war die Tellistrasse ein Quartiersträsschen und der Asphaltbelag hörte beim damaligen Telli-Beizli auf. Die Zufahrt zu den beiden Fabriken Kunath und Jenny erfolgte über eine staubige Kiesstrasse. Dies änderte 1971 mit dem Bau der Mittleren Telli schlagartig.


Erste Industrialisierung auf der grünen Wiese

Eine Seilbahn durch die Telli, 1925

Foto: Sammlung Stadtmuseum Aarau

Die Jura-Cement-Fabriken entstanden 1882 als Zementfabrik Zurlinden & Co in Aarau. Zur Deckung der benötigten Energie wurde das Wasserkraftwerk Rüchlig erbaut. Anfänglich wurden die Kohle und der Zement mit Pferdefuhrwerken zwischen dem Werk und dem Güterbahnhof Gais befördert. 1891 wurde im Torfeld Land gekauft, damit dort eine Verladestation mit Gleisanschluss errichtet werden konnte. Die Verladestation war mit einer Seilbahn mit dem Werk verbunden.6 Diese führte mitten durch die Telli, an der Chemischen Fabrik Frey vorbei über das Gelände der heutigen Berufsschule. Auf dem Bild ist im Hintergrund die Chemische Fabrik zu sehen.


Tennis spielen anno dazumal, ca. 1900

Foto: Sammlung Stadtmuseum Aarau

Gegenüber dem Telliring bestand schon vor der Jahrhundertwende ein Tennisplatz, auf dem eifrig diesem beliebten Sport gefrönt wurde. 1900 wurde der Tennisclub Aarau gegründet. Er war einer der ersten der Schweiz. Als Clubhaus diente damals ein Zelt. Auf dem Bild ist Guido Frey zu sehen, späterer Zeichnungslehrer. Der Tennisplatz bestand bis in die frühen 1980er Jahre.


Eine Ochsentour, ca. 1904

Foto: Sammlung Stadtmuseum Aarau

Um 1900 ist die Telli noch ein kaum beachtetes Stück Wiesland. In diesem «feuchten und abgelegenen Nebelloch» an der Aare stehen nur wenige Fabriken … Der Aarenebel hängt häufig über den Wiesen, die Matten werden regelmässig überschwemmt. In den Auenwäldern im Sommergrien verstecken sich Fasane, in den Steilufern des Frey-Kanals brüten Eisvögel. Die mit Obstbäumen bestandenen Wiesen sind durchzogen von planmässig angelegten Wasserrinnen. Diese «Wässermatten» werden regelmässig mit Wasser aus dem bis 1955 offen dahinfliessenden Sengelbach und dem Stadtbach bewässert. Zuständig dafür ist der sogenannte Wässermann. Das Land in der Telli ist im 19. Jahrhundert noch weitgehend in Besitz von Küttiger Bauern, die dort im Sommer mit Wagen und Pferden ihre Heufuder aufladen und im Herbst Äpfel und Birnen ernten. Aber auch den in der Telli angesiedelten Fabrikantenfamilien Frey, Guyer und Jenny gehören wesentliche Teile des Bodens.2 Während der Erntezeit werden die Arbeiter und Arbeiterinnen der Halbleinenfabrik Guyer vom Weyergut auf dem Feld im Gyrix beschäftigt.4 Links im Bild: Fabrikant Oskar Guyer.


Süsses aus der Telli, 1900

Foto: Chocolat Frey AG

Die Chocolat Frey war 1887 von den Gebrüdern Robert und Max Frey gegründet worden. Vorerst im Haus am Balänenweg und ab 1900 auch in der von Frey-Herosé bereits 1836/37 als mechanische Baumwollweberei am Frey-Kanal errichteten Fabrik bauten sie eine Schokoladenproduktion auf, die im Jahr 1950 an die Migros überging.8


Fotoapparate – Made in Telli, 1880

Radierung: Sammlung Stadtmuseum Aarau

Als erste Fabrik in der Telli wird 1813 die Chemische Fabrik Frey errichtet. Es handelt sich dabei um eine der ersten chemischen Fabriken schweizweit… Das für die Produktion benötigte Wasser wird mithilfe einer Grundwasserpumpe, die von einem Wasserrad angetrieben wird, aus dem Boden gepumpt. Ab 1821 über-nimmt Daniel Freys Sohn, der spätere Bundesrat Friedrich Frey-Herosé, die Leitung des Betriebs. Die Chemische Fabrik Frey produziert zu Beginn hauptsächlich Salzsäure, die für den Stoffdruck und fürs Färben benötigt wird.9

Um 1830 kam eine mechanische Weberei hinzu. Ab 1860 stellte die Firma Frey & Cie. fotografische Chemikalien, fotografische Bedarfsartikel und auch Fotoapparate her. 1883 ging die Firma an August Frey-Herzog über. Ab 1910 wurde die Fabrikation sukzessive stillgelegt und um 1929 endgültig eingestellt.8

Im Vordergrund ist die imposanten Fabrikeinfahrt sichtbar, rechts davon die frühere Knochenmühle. Diese ist noch heute als markantes Gebäude an der Tellistr. 53 gegenüber der Berufsschule erhalten (heute CTA Immobilien). Links erkennt man die von Friedrich Frey-Herosé errichtete Baumwollspinnerei und -weberei, die spätere Schokoladenfabrik.


Frühzeit in der Auenlandschaft

Die Lynden by Thelle blätzlin, 1671

Planvedute: Sammlung Stadtmuseum Aarau

Auf dieser frühen Planvedute von Hans Ulrich Fisch ist links unterhalb der „Thelle“ deutlich der „Thellerein“ zu erkennen. Bei seiner oberen Einmündung sind die „Lynden by Thelle blätzlin“ eingezeichnet. Im Gebiet der  heutigen Aumattstrasse finden wir die „ober Aauw“ und die „under Auw“. Weiter rechts die „Burger Maten“, rechts darüber der „Sumer grien“. Und weiter rechts sind die „Rüttene in gÿren schächlin“ eingezeichnet, rechts darunter die Nëuw maten“. Im Gebiet der heutigen Weihermattstrasse finden sich der „ober waÿer“ und der „under waÿer“. Ganz rechts der „Suren stäg“.


Die ersten Tellianer, ca. 1000

Foto: Hansueli Trüb

1936 wurde bei den Bauarbeiten eines Einfamilienhauses am Philosophenweg in der Oberen Telli nahe der Aare ein mächtiges Fundamentmauerwerk eines ehemaligen Kirchenbaus mit zahlreichen Gräbern entdeckt. 1959 wurde dieser Fund im Rahmen einer Notgrabung der Kantonsarchäologie unter wissenschaftlicher Begleitung untersucht. „Die Kirche war eine einschiffige Saalkirche mit quer unterteiltem Langhaus und eingezogenem, langgestrecktem Chor. Grundriss und Mauerwerk verweisen den Bau der Kirche ins 10./11. Jahrhundert.“10

Man kann sich fragen, welche Bedeutung eine Kirche an diesem hochwassergefährdeten Standort hatte. Da keine weiteren Funde früherer Gebäude im Umfeld gefunden wurden, ist anzunehmen, dass die Kirche isoliert dastand. Sie diente wohl als Schutzkirche bei der Furt. „Das Anrufen von geistlich-göttlichem Beistand durch Gebet, Bitte und Dank … am Ufer soll Sicherheit bringen.“10

2023/24 wurden bei erneuten Grabungen weitere Gräber gefunden. Das abgebildete Skelett eines Kindes wurde im November 2023 entdeckt.


Quellen:
1 Werner Laubi, Tellipost 2014/4
2 Eveline Althaus, Sozialraum Hochhaus, transcript Verlag, Bielefeld 2018
3 Vgl. auch www.saffahaus.ch
4 Bruno Meier in www.e-periodica.ch/cntmng?pid=anb-001:2007:81::184
5 www.fors-futter.ch/unternehmen
https://de.wikipedia.org/wiki/Jura-Cement-Fabriken
7 Prof. Dr. Oskar Guyer, Geschichte der Halbleinenfabrik Guyer in der Telli in Aarau, 1954
8 www.foto-ch.ch/?a=fotograph&id=21631&lang=de
9 Gabriela Suter, Aarauer Neujahrsblätter 2018
10 Felix Kuhn, Aarauer Neujahrsblätter 2018


Dank

Diese Ausstellung wurde ermöglicht dank der grosszügigen Unterstützung der Miteigentümerschaft der Wohnzeilen Rütmattstrasse, Delfterstrasse B und C und Neuenburgerstrasse.

Wir danken zudem für die Unterstützung

  • Stadtmuseum Aarau Sylvia Jufer, Stadtarchivar
  • Raoul Richner, Archäologie Kt. AG Jana Lingg,
  • Printline Thomas Blättler, Markus Ernst, Pancho Frey,
  • Hydro-Service Wohlen, Ernst und Esther Jenny,
  • Werner Laubi, Bruno Meier, Pius Meyer

sowie allen Autor*innen und Fotografen, die uns ihr Material zur Verfügung gestellt haben.