Freizeitpark oder Naturidylle?
Wälder sind infolge des Klimawandels unter Druck. Viele Baumarten werden infolge der steigenden Trockenheit und Temperaturen absterben. Das wird auch Auswirkungen auf den Telliwald haben. Der Telliwald gilt als Auenwald, er ist auch Teil des Auenschutzparkes des Kantons Aargau. Die Aare und der Freykanal sorgen dafür, dass der Boden nicht so schnell austrocknet wie beispielsweise an den Hängen der umgebenden Hügel und Jurahöhen. Diese Fliessgewässer sichern das Überleben «unseres» Waldes zumindest für die nähere Zukunft.
Dank vieler Aufwertungsmassnahmen in den letzten Jahrzehnten hat sich das Gebiet zu einem vielfältigen Naturraum entwickelt, der auch bedrohten Pflanzen und Tieren einen willkommenen Überlebensraum bietet. Die Naturqualitäten werden auch immer mehr von uns Menschen geschätzt. Der Wald und die Gewässer werden begangen und für allerlei Aktivitäten genutzt. Schulen betreiben Waldunterricht, Erholungssuchende baden im Freykanal und in der Aare, Hundehalter führen ihre Tiere aus, Velofahrer geniessen die kühlen Waldwege, Partygänger treffen sich an Feuerstellen, Sportler nutzen die Waldwege für ihr Lauftraining, Pferdetherapien helfen behinderten Kindern u. a. m.
Diese Tätigkeiten haben zur Folge, dass immer mehr Trampelpfade entstehen, dass Bauten im Wald erstellt werden, Badeplätze entstehen, Stege über Gewässer gebaut werden, Altholz am Boden in Feuerstellen verschwindet, Waldböden verfestigt werden. Junge Bäume haben keine Chancen mehr, gross zu werden, ruhigere, versteckte Orte nutzen die Besucher zum Versäubern, alte und abgestorbene Bäume werden zum Sicherheitsrisiko und folglich gefällt usw. Diese Entwicklung gefährdet alle bisherigen und neu geschaffenen Naturwerte.
Zusätzliche Belastungen werden entstehen durch das Ansteigen der Bevölkerung in der Telli, durch die grösseren Schulen und die Auswirkungen der Klimaveränderungen. Immer mehr Menschen werden den klimatisch angenehmeren Wald und die artenreiche Natur zu verschiedenen Zwecken nutzen.
Wir möchten die Qualitäten des Telliwaldes auch für die kommenden Jahrzehnte erhalten und überlegen uns, wie dies möglich wäre. Wir würden uns wünschen, dass alle Besucher*innen den Wald mindestens so verlassen, wie sie ihn angetroffen haben, dass keine Bauten erstellt werden, nur an den offiziellen Stellen gefeuert wird, nur die vorhandenen Waldwege benutzt werden (auch von den Hunden), die immer wieder entstehenden Trampelpfade nicht von den Forstverantwortlichen unterhalten und damit aufgewertet werden, die Velofahrenden das Fahrverbot beachten, Autos nicht in den Randbereichen des Waldes parkiert werden usw.
Wir wünschen uns auch, dass wir von den für den Wald und die Gewässer verantwortlichen Stellen des Kantons und der Stadt mehr Unterstützung bekommen. Das würde beispielsweise bedeuten, in Zukunft auf die Holznutzung zu verzichten, Einrichtungsgegenstände, die im Wasser liegen zu entfernen, vorhandene Bauten wieder zurückzubauen, Gerätekisten an den Waldrand zu verlegen oder auch das Spazieren zu begünstigen, indem die Velofahrenden auf den offiziellen Veloweg geleitet werden.
Die hier beschriebenen Themen möchten wir bei einer Waldbegehung im kommenden Herbst gerne vorstellen und diskutieren. Den Termin werden wir über die uns zur Verfügung stehenden Medien noch bekanntgeben. Wir erhoffen uns, dass damit dem Telliwald und seiner natürlichen Entwicklung gebührend Rechnung getragen wird.
Publiziert in der Tellipost 520 August 2026
Text: Peter Jean-Richard
Fotos: Peter Jean-Richard





