Neues Leben für den Sengelbach
Der Sengelbach hat eine lange und wechselvolle Geschichte bezogen auf die Herkunft des Wassers und dessen Nutzung in der Telli. Ursprünglich befanden sich Quellen auch in unserem Quartier, das von vielen Wasserläufen durchzogen war. Später ist ein Teil des Stadtbaches in den Bach geleitet worden. Dieser bezog sein Wasser ab Quellen im Gebiet der Brüelmatte zwischen Suhr und Unterentfelden. Wegen Absenkungen des Grundwasserspiegels in diesem Gebiet sind diese Quellen versiegt und man entschloss sich, das Stadtbachwasser aus der Suhre abzuleiten.
Heute stehen wir vor dem Problem, dass, wohl auch wegen der Klimaerwärmung, die Suhre häufiger sehr wenig Wasser führt und in der Folge dem Stadtbach nur noch eine minimale Wassermenge zugeteilt wird. Das hat wiederum zur Folge, dass es für das Überleben der Fische in solchen Situationen kaum mehr genug Wasser im Bachbett hat. Schon seit einiger Zeit nimmt die früher grosse Artenzahl und Fischdichte ab. Jetzt kann es kritisch werden. Gefährdete Fischarten kommen heute kaum mehr im Bach vor.
Die zeitweise geringe Wasserführung ist auch deshalb ein Problem, weil im Abschnitt zwischen der Brücke ‹Delfterstrasse› und ‹Werkhof› das Bachbett bei der heute geringen Wasserführung viel zu breit und flach ist. In diesem Bereich befand sich früher eine Fischzucht, bevor die chemische Fabrik den Bach als Abwasserkanal nutzte. Dieser Abschnitt ist heute durch die geringe Wasserströmung stark verschlammt. Der Aufstau des Wassers durch die Biber und in der Folge auch die Behinderung der Wanderbewegungen der Fische verschlechterten die Situation weiter. Schädlich ist auch die höhere Wassertemperatur, die durch die grosse Oberfläche bei geringer Tiefe begünstigt wird. Dazu kommt die Wassertrübung, verursacht von den Wühlaktivitäten der Enten und Karpfen.
Der Sengelbach ist für die Tellianer*innen ein prägendes Element des Quartiers und wird sehr geschätzt. Früher war das auch so für viele Fisch- und andere Tier- und Pflanzenarten. Die in den letzten Jahren immer wieder aufgetretenen kritischen Situationen zeigten die Gefährdung der ökologischen Qualitäten. Dies war Anlass für den Aarauer Bachverein zu versuchen, Gegensteuer zu geben.
Im Bereich mit der grössten Bachbreite und der geringsten Strömungsgeschwindigkeit soll noch in diesem Herbst eine Revitalisierung eingeleitet werden. Mit Massnahmen wie dem Einbringen von grossen Steinen, der Anschüttung des Ufers mit Kies, mit dem Einbau von alten Wurzelstöcken und dem Bau von Buhnen mit Baumstämmen im Wasser soll wieder ein strömender Bach begünstigt werden. Da die Biber den Sengelbach nicht mehr als dauernden Lebensraum nutzen, wird es auch möglich, einzelne ihrer Dämme teilweise zu öffnen und damit das Gefälle wieder etwas zu erhöhen.
Das vorgeschlagene Projekt ist von den zuständigen Stellen des Kantons bewilligt worden. Die Massnahmen sollen noch diesen Herbst, auch mit der Unterstützung der Stadt Aarau, realisiert werden.
Es wird interessant, die Auswirkungen während der kommenden Jahre zu beobachten.




beobachten kann.

Publiziert in der Tellipost Nr. 516 August 2025
Text: Peter Jean-Richard, Aarauer Bachverein
Fotos: Peter Jean-Richard, Aarauer Bachverein
