Planung für einen Mehrwert im Quartier
Am 28. Mai 2025 wurde seitens der Stadt bereits zum vierten Mal über die Entwicklung des Areals «Telli-Ost» informiert. Leider fanden an diesem Abend nur wenige Leute den Weg ins GZ Telli. Ob es daran liegt, dass über ein Projekt in ferner Zukunft informiert wurde – wir reden von etwa 20 Jahren bis zur Vollendung – oder weil es der Mittwoch vor Auffahrt war, wissen wir nicht. Die Öffentlichkeit wurde und wird seit Beginn einbezogen und das ist wichtig, damit solche Projekte auch die nötige Akzeptanz haben. Nicht nur für die anwesenden Politiker, Stadtpräsident Hilfiker und Stadtrat Thür, war es wichtig, den unmittelbaren Nachbarn den neuen Stadtteil vorzustellen, auch die Projektleiterinnen der Stadtentwicklung und der Stadtbaumeister standen Red und Antwort.
Freiräume
Neben Wohnen und Arbeiten soll das Quartier auch Orte bieten, um die Seele baumeln zu lassen: Grünflächen, Begegnungsorte, verkehrsfreie Durchgangswege. Es soll Lust machen, sich in der Arbeitspause auf eine schattige Bank zu setzen, es soll animieren, auf dem Weg zum Einkaufen für einen Schwatz stehen zu bleiben, Kinder und Senior*innen sollen sich austauschen können. Die «alte» Überbauung der Telliblöcke mit ihren zahlreichen Grünflächen zeigt heute schon die Qualität solcher Freiräume. Soziale Infrastruktur Ein neues Quartier dieser Grösse braucht auch eine sogenannte soziale Infrastruktur, dazu gehören Kindergarten, Kindertagesstätte und Quartierräume. Auch das bereits im Bau stehende KIFF gehört dazu. Gerade hier zeigte sich, dass noch Planungsbedarf besteht. Die Frage, wie das Miteinander und Nebeneinander der Generationen gelingen soll, ist eine offene Frage und kann eventuell erst im realen Zusammenleben gelöst werden. Nichtsdestotrotz muss heute schon überlegt werden, wie die Wegführung der Leute, welche zu Veranstaltungen ins KIFF gehen, sozialverträglich gestaltet werden kann, damit die Menschen im Wohnquartier nicht in ihrer Nachtruhe gestört werden.
Mobilität
Eine zentrale Frage des Abends betraf die Mobilität: Wo arbeiten die etwa tausend neuen Bewohner*innen? Wo wohnen die etwa 2000 Arbeitnehmer* innen? Die Tellistrasse hat einen Plafond von 15’000 Fahrzeugen pro Tag, kann also nicht beliebig erweitert werden. Das übergeordnete Nettonullziel für Treibhausgasemissionen bis 2040 erfordert ebenfalls eine Reduktion des motorisierten Individualverkehrs. Hier ist die Stadt gefordert, mit einem attraktiven öffentlichen Verkehr eine Lösung anzustreben. Diskussionen mit dem Gewerbe sind allerdings auch hier voraussehbar, obwohl man während einer Übergangsfrist dem bestehenden Gewerbe in Sachen Parkplätzen noch entgegenkommt.
Wie weiter?
Die Stadt und die bisherigen Grundeigentümer haben bisher gemeinsam geplant und auch die Planungskosten geteilt. Der Entwicklungsrichtplan ist aber noch nicht in Stein gemeisselt. Nach der Vernehmlassung werden Teilgestaltungspläne entwickelt und erst danach können Baugesuche eingereicht werden. Diese Gratwanderung vom Richtprojekt bis zum Baugesuch wird dauern, die gemischte Nutzung muss alltagstauglich ausgehandelt werden, und bei jedem Schritt soll die Lebensqualität für die Menschen, die hier wohnen und leben, überprüft werden. Klar ist: Telli-Ost wird ein Stadtquartier und nicht ein Wohnquartier. Der Wohnanteil ist wichtig, damit der Stadtteil lebendig bleibt, aber auch der bisherige gewerbliche Teil soll bleiben. Wie diese Mehrfachnutzung gelingt und aus diesem Teil der Stadt ein lebendiges Quartier wird, an diesen Fragen werden sich in den nächsten Jahren noch viele Leute die Zähne ausbeissen oder friedlicher ausgedrückt: noch so mancher Liter Wasser wird die Aare herunterfliessen.


Publiziert in der Tellipost Nr. 516 August 2025
Text: Jeanine Kosch
Fotos: zvg
